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Inhaltsstoffe?
Autor: Prof. Dr. T. Jelinek, Dr. S. Vergin

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Inhaltsstoffe von Impfungen
Impfstoffe setzen sich aus dem aktiven Inhaltsstoff sowie weiteren Bestandteilen zusammen. Bei dem aktiven Inhaltsstoff handelt es sich um bakterielle oder virale Partikel, die vom Immunsystem als fremd erkannt werden und eine Immunreaktion inkl. der gewünschten Bildung spezifischer Antikörper auslösen. Diese Partikel werden als „Antigene“ bezeichnet.
Neben den Antigenen bestehen Impfstoffe zum Großteil aus Wasser (eine Impfdosis entspricht gewöhnlich 0,5 ml Flüssigkeit). Alle anderen Bestandteile sind in Mengen von höchstens wenigen Milligramm enthalten. Einige Impfstoff-Zusätze finden sich auch natürlicherweise im menschlichen Körper, wie etwa Natrium- oder Kaliumsalze. Generell gibt es keine Hinweise darauf, dass die in Impfstoffen enthaltenen sehr geringen Mengen an Zusatzstoffen eine schädliche Wirkung besitzen.
Aktiver Inhaltsstoff
In Impfstoffen sind lediglich wenige Mikrogramm (Millionstel eines Gramms) an aktivem Inhaltsstoff (Antigen) enthalten. Dies erscheint verschwindend gering verglichen mit der hohen Anzahl an mikrobiellen Erregern, mit denen der menschliche Körper und sein Immunsystem tagtäglich konfrontiert werden. Allein die Zahl von Bakterien, die dauerhaft die menschliche Haut besiedeln, liegt schätzungsweise im Bereich der Billionen.
Zusätzliche Bestandteile
Aluminiumsalze oder andere Aluminiumverbindungen dienen als sog. Adjuvans, das eine Verstärkung und eine verlängerte Dauer der Immunantwort bewirkt. Aluminium wird auf natürlichem Wege u.a. über die Muttermilch, einige Nahrungsmittel oder über das Trinkwasser aufgenommen und sammelt sich bis zu einem gewissen Maß im Körper an. Die Gesamtmenge an Aluminium in einem Impfstoff liegt bei unter einem Milligramm. Nach einer Impfung ist der Aluminium-Gehalt im Körper kurzzeitig erhöht, der Überschuss ist aber nach wenigen Tagen bereits wieder abgebaut. Die durch eine Impfung aufgenommene Menge liegt deutlich unter dem Maximalwert, der als sicher für den Menschen angesehen wird (siehe Studie). In seltenen Fällen (weniger als 1 von 100 Kindern) kann das Aluminium in Impfstoffen zu einer knötchenartigen Entzündung um die Injektionsstelle herum führen. Dies ist nicht gefährlich, aber ggf. störend, insbesondere wenn die Entzündung über mehrere Monate bestehen bleibt. Kinder, die eine solche Reaktion zeigen, entwickeln möglicherweise eine Aluminium-Kontaktallergie (siehe Studie).
Als weitere Adjuvanzien kommen zum Einsatz:
  • Monophosphoryl-Lipid A: ein gereinigter und inaktivierter Bestandteil von Bakterienzellwänden
  • Squalen: körpereigene Vorstufe von Cholesterin und Steroiden
  • Tocopherol: eine fettlösliche Substanz der Vitamin-E-Gruppe
  • Sorbitantrioleat: eine wachsartige Substanz
Thiomersal ist eine Quecksilberverbindung, die früher hauptsächlich in Multidosen-Impfstoffen als Konservierungsmittel eingesetzt wurde. Diese Impfstoffe werden nicht in einem Zuge verimpft, sondern werden auf mehrere Anwendungen verteilt. Die Hinzugabe von Quecksilber diente dazu eine Kontamination der geöffneten Ampulle mit Bakterien oder Pilzen zu verhindern. Heute wird Thiomersal in Europa nicht mehr in Impfstoffen eingesetzt, was jedoch nicht einer etwaigen Schädlichkeit geschuldet ist, sondern dem globalen Ziel einer verminderten Belastung der Umwelt mit Quecksilber jeglichen Ursprungs. Studien zeigten, dass die Verbindung sich nicht im Körper von Säuglingen ansammelt, sondern innerhalb von 30 Tagen vermutlich über den Stuhl ausgeschieden wird (siehe Studie). Auch ein Zusammenhang zwischen Thiomersal enthaltenden Impfungen und Autismus konnte nicht festgestellt werden (siehe Studie). Eine Stellungnahme der Weltgesundheitsorganisation WHO zu Thiomersal finden Sie hier.
Phenol und Phenoxyethanol dienen heute in manchen Impfstoffen als Konservierungsmittel.
Aus Schweinen gewonnene Gelatine wird einigen Lebendimpfstoffen als Stabilisierungsmittel hinzugegeben, um sie vor temperaturbedingten Schädigungen zu schützen. Die hier eingesetzte Gelatine ist hochrein und in Wasser gelöst und unterscheidet sich somit von der natürlichen Gelatine in Nahrungsmitteln. Auch abgebaute Gelatine, sog. Polygelin, kommt in Impfstoffen zum Einsatz. Vereinzelt treten allergische Reaktionen nach Gelatine enthaltenden Impfungen auf (1 Fall unter 2 Mio Geimpften). Ist eine entsprechende Allergie bekannt, so sollte zuvor der Rat eines Experten eingeholt werden.
Humanes Serum-Albumin ist das mengenmäßig am häufigsten im menschlichen Blut vorkommende Protein. Es wird einzelnen Impfstoffen in sehr geringen Mengen als Stabilisierungsmittel zugegeben. Die Spender, aus deren Blut das Protein gewonnen wird, werden vorab getestet und nach dem Herstellungsprozess besteht generell kein Risiko mehr für eine Übertragung von Krankheitserregern durch das Fremdserum. Auch rekombinant, d.h. mittels Gentechnik, hergestelltes humanes Serum-Albumin findet sich in sehr geringen Mengen in einzelnen Impfstoffen. Hierbei ist keine Extraktion aus menschlichem Blut erforderlich.
Sorbitol wird im menschlichen Körper produziert und findet sich auch in Früchten und Beeren. In Impfstoffen dient es ebenfalls als Stabilisierungsmittel. Die Substanz ist an sich harmlos, Menschen mit einer entsprechenden Allergie oder mit einer Fruktose-Intoleranz sollten jedoch keine Sorbitol enthaltende Impfung bekommen. Weitere Stabilisierungsmittel, die in Impfstoffen zur Anwendung kommen, sind:
  • Zucker (Sucrose, Dextran)
  • Laktose
  • Mannitol (ähnlich zu Sorbitol)
  • Glycerin
  • Harnstoff
  • Medium 199 (eine Lösung, die Aminosäuren („Bausteine“ von Proteinen), Mineralsalze und Vitamine enthält)
  • Mononatriumglutamat (ein Salz der Aminosäure Glutamin)
  • Alanin, Glycin, Arginin (Aminosäuren)
  • Xanthan (kommt auch als Lebensmittelzusatz und in Kosmetikprodukten zur Anwendung)
Polysorbat 80, ein gebräuchlicher Nahrungsmittelzusatz, wird Impfstoffen als Emulgator zugesetzt, um eine gute und gleichmäßige Vermischung der einzelnen Inhaltsstoffe zu gewährleisten. Verglichen mit der Konzentration in Nahrungsmitteln ist die Menge an Polysorbat 80 in Impfstoffen verschwindend gering.
Während des Herstellungsprozesses eingesetzte Produkte
Antibiotika werden im Herstellungsprozess mancher Impfstoffe eingesetzt, um Kontaminationen durch Bakterien zu verhindern. Im fertigen Impfstoff finden sich möglicherweise Spuren des verwendeten Antibiotikums (z.B. Tetracyclin, Kanamycin, Gentamicin, Neomycin, Polymyxin, Streptomycin). Selten kommt auch das fungizide Mittel Amphotericin B bei der Herstellung zum Einsatz. Personen mit entsprechenden Allergien sollten zuvor den Rat eines Experten einholen.
Ovalbumin ist das mengenmäßig häufigste Protein im Eiklar von Vogeleiern. Impfstoffe, die in Hühnereiern produziert werden, können Reste von Hühnereiweiß enthalten. Generell stellt dies für Personen mit einer entsprechenden Allergie kein Problem dar. Menschen mit einer schweren Hühnereiweiß-Allergie (bekannte Auslösung eines anaphylaktischen Schocks) sollten jedoch von einem Spezialisten in einem Krankenhaus geimpft werden, wo notfalls schnell Hilfemaßnahmen eingeleitet werden können. Einzelne Impfstoffe werden in embryonalen Hühnerzellen produziert anstatt in Eiern. Solche Impfstoffe können selbst schwere Allergiker gefahrlos erhalten. In Deutschland können Impfstoffe gegen FSME, Tollwut sowie Masern-Mumps-Röteln (MMR) Spuren von Hühnereiweiß aufweisen, höhere Mengen können im Gelbfieber-Impfstoff sowie in Influenza-Impfstoffen enthalten sein.
Hefe wird im Herstellungsprozess einzelner Impfstoffe eingesetzt, es bestehen hier keine Anhaltspunkte für das Auftreten von allergischen Reaktionen.
Die Umverpackung mancher Impfungen kann Latex enthalten, mit welchem bspw. die Kanüle einer Fertigspritze in Berührung kommt. Personen mit einer schweren Latexallergie (bekannte anaphylaktische Reaktion) sollten zuvor den Rat eines Experten einholen, für Menschen mit einer Latex-Kontaktallergie ist die Impfung hingegen unbedenklich.
Formaldehyd ist eine organische Verbindung, die im Zuge der Impfstoffherstellung zur Inaktivierung bakterieller oder viraler Toxine eingesetzt wird. Im fertigen Impfstoff finden sich möglicherweise Spuren der Verbindung. Formaldehyd wird auch im menschlichen Körper produziert, der natürliche Gehalt im Blut eines Säuglings ist etwa 10x höher als der in jeglichem Impfstoff. Glutaraldehyd ist eine ähnliche Verbindung, die ebenfalls zur Inaktivierung von Toxinen eingesetzt wird; weitere hierzu genutzte Substanzen sind ß-Propiolakton sowie Kaliumthiocyanat. Auch von diesen Verbindungen können Spuren in fertigen Impfstoffen enthalten sein.
Cetrimoniumbromid (syn. Cetyltrimethylammoniumbromid), Natriumdesoxycholat und Octoxinol 9/10 sind sog. Detergenzien (grenzflächenaktive Stoffe) und werden bei der Herstellung mancher Impfstoffe dazu eingesetzt, die Gesamtstruktur des Antigens aufzulösen.
Säureregulatoren sorgen für die Aufrechterhaltung eines geeigneten pH-Wertes. Es kommen hier in sehr geringen Mengen zum Einsatz:
  • Kaliumphosphat- und/oder Natriumphosphatsalze (diese gewöhnlichen Salze sind harmlos)
  • Natriumadipat (ein gebräuchlicher Nahrungsmittelzusatz)
  • Bernsteinsäure (wird auch natürlich im Körper produziert und verstoffwechselt)
  • Natriumhydroxid und Salzsäure (diese Verbindungen reagieren miteinander und bilden Wasser und harmlose Salze; in ihrer ursprünglichen Form sind sie nicht in Impfstoffen enthalten)
  • Histidin (eine Aminosäure, die in fast allen menschlichen Proteinen zu finden ist)
  • Natriumborat (Borax) (kann in einer Menge von wenigen µg in Impfstoffen enthalten sein; in dieser Konzentration ist es nicht gesundheitsschädlich)
  • Trometamol (wird auch in der Herstellung anderer Medikamente eingesetzt)
Es wird ggf. die Verbindung Phenolrot als pH-Indikator zugesetzt.
Unter Nutzung von Bariumsulfat kann die Anzahl Bakterien in einer Suspension bestimmt werden.
Bei manchen Impfstoffen muss der aktive Inhaltsstoff in Kulturen menschlicher Zelllinien produziert werden. Im Anschluss werden mehrere Aufreinigungsschritte durchgeführt, um Zellreste zu entfernen. Wieder andere Impfstoff-Antigene werden in Tierzelllinien produziert und am Ende aufgereinigt. Ein Risiko für die Übertragung von Tierkrankheiten besteht dabei nicht.
Der nasale Grippe-Lebendimpfstoff enthält genetisch veränderte Organismen (GVO). Hier wurden verschiedene Gene kombiniert, um einen Erreger mit den gewünschten Eigenschaften zu erzeugen.
Detaillierte Übersicht
Eine Liste mit den Inhaltsstoffen aller in Deutschland verfügbaren Impfstoffe (Stand: April 2017) finden Sie hier.


Aktualisiert am 03.04.2017, erstellt am 09.03.2017